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Es gibt Fragen, die in Zusammenhang mit der Achtsamkeitspraxis häufiger bestehen -
manchmal im Vorfeld einer Kursanmeldung, aber auch in der öffentlichen Diskussion.
Ich gehe hier auf einige dieser Fragen ein und anworte dabei nur bezogen auf mein Angebot
bzw. bezogen auf das Kursformat, das ich selbst anbiete,
also ausschließlich aus der Perspektive der MBSR-Lehrerin.
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Ist Achtsamkeitsmeditation für jede und jeden geeignet?
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Im Prinzip ja. Voraussetzung ist vor allem das Interesse daran, die Aufmerksamkeit in Stille
oder auch in Bewegung zu fokussieren und sich dem eigenen Erleben zu öffnen.
Bei bestimmten akuten psychischen Beschwerden kann die Achtsamkeitspraxis jedoch auch kontraindiziert sein.
Insbesondere bei akuten oder andauernden posttraumatischen Symptomen oder bei wiederkehrenden Panikattacken
sollte im Vorhinein geklärt werden, ob zum gegebenen Zeitpunkt zunächst psychotherapeutische Unterstützung indiziert ist.
Oft kann im Anschluss an eine psychotherapeutische Behandlung die Achtsamkeitspraxis eine wertvolle Ressource sein.
Gleichzeitig kann die Praxis aber auch bei der Bewältigung von Beschwerden, wie zum Beispiel Schmerzen oder Grübeln und Sorgen unterstützen.
Im Vorgespräch vor der Kursteilnahme ist Gelegenheit zu klären, ob psychische Beschwerden
oder auch körperliche Beeinträchtigungen einer Kursteilnahme entgegenstehen.
Für manche Beschwerden ist auch die Teilnahme an spezialisierten Kursen empfehlenswert.
Auch in Zeiten besonderer Beanspruchung kann es sinnvoll sein, die Kursteilnahme auf
einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Das liegt einfach daran, dass es bei übermäßiger
Beanspruchung schwieriger sein kann, sich von der Fokussierung auf beanspruchende
und vielleicht belastende Inhalte zu lösen und etwas Neues zu lernen.
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Was kann die Achtsamkeitspraxis eigentlich bewirken?
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Das MBSR-Kursformat ist in vielen Studien evaluiert worden. Es wurden Effekte der Achtsamkeitspraxis z. B.
auf die Aufmerksamkeit sowie die Emotionsregulation und Stimmung festgestellt. Außerdem gibt es Hinweise,
dass Achtsamkeitspraxis die Bewältigung von Stress, Schmerzen und chronischen Krankheiten bei vielen Menschen unterstützt.
In bildgebenden Untersuchungen wurden auch strukturelle und funktionelle Veränderungen im Gehirn durch Achtsamkeitspraxis nachgewiesen.
Aus Studienergebnissen lässt sich natürlich keine zuverlässige Vorhersage ableiten,
wie sich die Praxis bei einer einzelnen Person auswirken wird. Die Rückmeldungen von KursteilnehmerInnen zeigen,
dass subjektiv viele verschiedene positive Effekte erlebt werden. Zum Beispiel berichten KursteilnehmerInnen
am Ende des Kurses mehr innere Ruhe und Entspannung zu erleben, sich selbst, den eigenen Körper und eigene Bedürfnisse
bewusster wahrzunehmen, empathischer gegenüber anderen zu sein und auch mit körperlichen Symptomen wie Schmerzen besser umgehen zu können.
Die Achtsamkeitspraxis ist aber kein Allheilmittel und keine Methode, die eine schnelle oder anhaltende Entspannung verspricht.
Viele Menschen erleben kurze Achtsamkeitsübungen zwar spontan als entspannend.
Dies kann im Alltag unterstützen, die akute Stressbelastung zu regulieren.
Die Entspannung ist jedoch kein explizites Ziel. Andere Verfahren wie „Autogenes Training” oder „Progressive Muskelentspannung” sind Methoden,
die ganz explizit darauf ausgerichtet sind, Tiefenentspannung zu bewirken. Dies ist bei der Achtsamkeitspraxis nicht der Fall.
Es ist ein der Achtsamkeitspraxis inhärentes Paradox, dass wir Entlastung erfahren können,
indem wir uns dem gegenwärtigen Erleben öffnen, so wie es ist und ohne es absichtsvoll zu verändern.
Zunächst nehmen wir dann vielleicht auch belastende Gefühle, Gedanken und körperliche Empfindungen deutlicher wahr.
Darin liegt die Möglichkeit, zu bemerken, wie wir häufig unbemerkt und automatisch auf unser Erleben reagieren,
z.B. durch gedankliche Bewertungen oder reflexhafte Verhaltensweisen, und unsere Stressbelastung oft noch verstärken.
Wenden wir uns mit einer Haltung von freundlichem Interesse unserem Erleben zu, entsteht die Möglichkeit
eines flexibleren Umgangs mit den eigenen Empfindungen.
Es geht also um nicht mehr und nicht weniger als unsere Präsenz
im gegenwärtigen Augenblick, die uns kurzfristig dazu verhilft, aus dem alltäglichen, oft automatisierten Denken und Tun auszusteigen,
längerfristig jedoch auch, unsere Empfindungen bewusster wahrzunehmen und unsere innere Haltung und unseren Umgang mit den Empfindungen zu verändern.
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Kann die Achtsamkeitspraxis auch destabilisieren oder schaden?
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Es gibt Hinweise darauf, dass Achtsamkeitspraxis vorhandene psychische Beschwerden verstärken kann.
Dies kann passieren, wenn psychische Beschwerden oder auch eine bestehende Vulnerabilität nicht berücksichtigt werden
und gilt insbesondere für posttraumatische Symptome und Panikattacken. Es ist daher wichtig, im Vorfeld einer Kursteilnahme
zu klären, inwieweit mögliche psychische Belastungen zu Schwierigkeiten bei der Achtsamkeitspraxis führen können
und ob eine Kursteilnahme zum gegebenen Zeitpunkt sinnvoll ist. Dafür biete ich ein Vorgespräch an.
Seit einigen Jahren wird in der Anleitung der Achtsamkeitspraxis im Rahmen von MBSR auch zunehmend darauf geachtet,
Menschen, die unter posttraumatischen Symptomen leiden, durch ein angepasstes Vorgehen zu unterstützen (traumasensitive Achtsamkeit).
Über sonstige unerwünschte Effekte ist außerdem in Zusammenhang mit einem Zuviel an
Übungspraxis berichtet worden. Dies betrifft vor allem sog. Retreats, bei denen sich Teilnehmende in Meditationszentren versammeln
und teilweise ohne Vorerfahrungen über mehrere Tage oder Wochen viele Stunden täglich meditieren.
In MBSR-Kursen ist die empfohlene Dauer der Übungen begrenzt, so dass dabei auch für Teilnehmende ohne Vorerfahrungen
in der Regel keine Schwierigkeiten auftreten.
Im MBSR-Kurs werden Sie außerdem angeleitet, auch bei auftretenden Schwierigkeiten
für sich selbst zu sorgen und Ihre Meditationspraxis an Ihr Befinden anzupassen.
Es geht zwar einerseits darum, die eigenen Erfahrungen zuzulassen und wahrzunehmen, ohne unmittelbar bzw. automatisch darauf zu reagieren (s.o.).
Es geht aber nicht darum, auftretende Belastungen einfach nur „durchzustehen”,
sondern sich die Achtsamkeitspraxis zu Nutze zu machen und zu lernen, flexibel und selbstfürsorglich mit belastenden Erfahrungen
auch während der Meditation umzugehen. Wir gehen hier also einen Mittelweg. Nach der Übungspraxis besteht auch die Möglichkeit,
über Ihre Erfahrungen zu sprechen. Falls also belastende oder irritierende Erfahrungen vorübergehend auftreten,
weil es für manche Meditierende neu ist, das eigene Erleben so genau wahrzunehmen, können Sie dies ansprechen.
Falls doch einmal Schwierigkeiten mit der Übungspraxis auftreten sollten, stehe ich als Anleiterin des Kurses auch zwischen den Kurssitzungen
zur Verfügung, um Sie zu unterstützen.
Es ist mir wichtig, auf die Möglichkeit von unerwünschten Effekten
oder Symptomverschlechterungen hinzuweisen. Die allermeisten Menschen profitieren von der Achtsamkeitspraxis im Rahmen von MBSR-/MBCT basierten Angeboten.
Wenn die Bedingungen dafür für Sie zu einem gegebenen Zeitpunkt nicht günstig sind, finden wir dies im Vorgespräch heraus.
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Ist die Achtsamkeitspraxis verbunden mit einer religiösen Praxis oder Glaubenslehre?
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Die Achtsamkeitspraxis wie sie im MBSR-Kurs angeboten wird, ist weltlich und an keinen
religiösen Glauben gebunden. Die Praxis hat ihre Wurzeln in der frühen buddhistischen Lehre.
Jon Kabat-Zinn, der 1979 das Format des MBSR-Kurses in einem Krankenhaus in Massachusetts, USA, für
Patientinnen und Patienten mit chronischen Schmerzen eingeführt hat,
war es aber besonders wichtig, die Achtsamkeitspraxis allen Menschen zugänglich zu machen, unabhängig von ihrem Glauben.
Durch die Achtsamkeitspraxis wird eher das angesprochen, was uns Menschen verbindet und weniger das, was uns trennt.
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Was benötige ich für die tägliche Übungspraxis zu Hause?
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Im MBSR-Kurs werden Achtsamkeitsübungen im Liegen und Sitzen und in Bewegung angeleitet.
Neben bequemer Kleidung und einem Raum, in dem Sie ungestört meditieren können,
benötigen Sie eine Yogamatte für die achtsame Bewegung und die Übungen im Liegen (Body Scan).
Für die Sitzmeditation ist es ausreichend, einen Stuhl zu nutzen, auf dem Sie bis zu 45 Minuten stabil,
bequem und auch aufrecht sitzen können. Die aufrechte Sitzhaltung unterstützt die innere Haltung der
Aufmerksamkeit und Offenheit gegenüber dem eigenen Erleben. Ein Meditationskissen oder eine Meditationsbank
sind ebenfalls geeignet, aber keine Voraussetzung.
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Wie lange sollte ich täglich meditieren?
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Im Rahmen des MBSR-Kurses wird empfohlen täglich etwa 45 Minuten zu praktizieren.
Das klingt für viele in der heutigen Zeit als sehr lang. Es ist jedoch sinnvoll,
sich vor der Kursteilnahme zu überlegen, wieviel Zeit Sie für die Übungspraxis
aufbringen können und auch, welche Zeiten sich für Sie eignen.
Wie lang unsere tägliche Übungspraxis tatsächlich sein sollte, damit sich positive Effekte einstellen,
ist nicht abschließend geklärt. Es gibt zwar Hinweise darauf, dass viel zu üben
(im Rahmen der im Kurs empfohlenen 45 Minuten) auch viel bringt.
Es gibt aber auch Hinweise darauf, dass eine vergleichsweise kurze Übungspraxis von 10-15 Minuten
täglich bereits Effekte zeigt. Das alles hängt von vielen Faktoren ab, zum Beispiel davon,
wie die Qualität der Aufmerksamkeit während der Übungen ist und welcher Effekt gemessen wird.
Letztlich üben wir, damit wir unsere achtsame Präsenz in das alltägliche Leben übertragen können.
Eine relativ intensive Übungsphase während eines 8wöchigen MBSR-Kurses ermöglicht es Ihnen,
zu erleben, was eine regelmäßige Achtsamkeitspraxis für Sie bedeuten kann. Von daher ist es empfehlenswert,
sich während des Kurses Zeit für die Übungspraxis zu Hause zu nehmen.
Falls es nicht immer 45 Minuten sind, ist es besser täglich kurz zu üben als gar nicht.
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Kann man Achtsamkeit auch durch Angebote im Internet oder per App erlernen?
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Im Prinzip ja. Es spricht nichts dagegen, Achtsamkeit mit Übungsanleitungen aus dem Internet
oder einer App zu praktizieren, wobei ich die Qualität der zahlreichen digitalen Angebote
weder beurteilen kann noch möchte. Auch renommierte Achtsamkeitszentren haben eigene Apps entwickelt.
Es gibt dennoch einige wichtige Unterschiede zur Teilnahme an einem in Präsenz oder online live angeleiteten
Kurs. Die gemeinsame Praxis in einer Gruppe im Kurs ermöglicht es, voneinander zu lernen und schafft
Möglichkeiten der Begegnung, in der vor allem das spürbar wird, was uns Menschen miteinander verbindet.
Das Gruppenprogramm unterstützt außerdem über die formale Übungspraxis hinaus auch den
Transfer der Achtsamkeitspraxis in das alltägliche Leben bzw. in die Situationen, in denen wir Stress erleben.
Vor allem für den Umgang mit emotionalen und körperlichen Belastungen ist es unabdingbar, eine
individuelle und unmittelbare Anleitung zu erhalten, die durch eine Standardanleitung nicht unbedingt
ersetzbar ist. Im Laufe eines Gruppenprogramms kann auf Ihre individuellen Themen in gewissen Grenzen
eingegangen werden. Ihre Erfahrungen während der Achtsamkeitspraxis besprochen werden,
was viele Teilnehmende als hilfreich erleben.
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